Montag, 30. Mai 2011

Graben, graben, graben!

So hieß es letzte Woche, von Donnerstag bis Samstag! Wir hatten in den vergangenen Wochen schon gemerkt, dass der Wasserdruck in unseren Häusern immer schwächer wurde, aber als dann das Wasser ganz weg blieb und nur noch sporadisch kam, musste etwas unternommen werden.






Da es aber für CHISOMO keine Pläne gibt, aus denen entnommen werden kann, wo die Wasserleitungen verlaufen, blieb uns nur, den Leitungen entlang zu graben und so lange weiterzumachen, bis das Problem gefunden ist. Aus meiner Erfahrung der letzten Jahre vermutete ich, dass sich wieder irgendwo Wurzeln in ein brüchiges Rohr eingewachsen haben und so das Rohr verstopfen.




Nach drei Tagen meterlangem Graben, ein paar anderen Problemen und neuen Rohrverbindungen, die Joe extra am Freitag in Blantyre besorgt hatte und viel vergossenem Schweiß war dann endlich der Grund für den Wasserstopp gefunden: Das Rohr verlief genau unter einem Baum durch, dessen Wurzeln das Rohr eingeklemmt hatten. Also musste der Baum weg. Mit Axt, Hacken und unserem starken Landcruiser schafften wir es schließlich kurz vor Einbruch der Dunkelheit am Samstagabend.










Im Schein von zwei Taschenlampen montierten wir ein neues Stück Rohr ein und freuten uns sehr, dass die Stelle gleich dicht wurde. Das ist nicht immer so einfach und selbstverständlich. Die Rohre, die auf CHISOMO verlegt sind, gibt es mittlerweile gar nicht mehr, und so ist es immer ein Basteln und Pfriemeln und Improvisieren, wenn einmal was kaputt ist und erneuert werden muss.



Nun ist der Wasserdruck im Haus wieder normal und wir brauchen die Klospülkästen nicht mehr mit Eimern auffüllen. Wie schön ist doch der Komfort von fließendem Wasser!



Unsere Kollegin Marion fragte Rita am Samstagabend wohl, was man als Missionar in CHISOMO denn machen würde, wenn man handwerklich nicht begabt wäre? Das weiß ich auch nicht! Zwei rechte Hände sind halt schon ein großer Segen hier!



Liebe Grüße,

Daniel.

Dienstag, 24. Mai 2011

Der Mann mit der Maske ...

… kam in letzter Zeit regelmäßig bei uns vorbei! Beim ersten Besuch hier sah er krass aus, wie wenn er in eine Schlägerei verwickelt gewesen wäre und übel zugerichtet wurde: Auge geschwollen, das halbe Gesicht eine offene Wunde! Aber der Mann ist kein Schläger. Er hatte lediglich einen dummen Unfall mit dem Fahrrad und bremste unglücklich mit dem Kopf! So kam er dann her und bat um Hilfe, weil Rita mittlerweile kilometerweit bekannt dafür ist, dass sie viel besser die Wunden verbindet als die Krankenhäuser unserer Gegend. Seine erste Verbandmaske sah dann so aus:






Rita nahm sich mehrmals dann in Abständen von jeweils ein paar Tagen die Zeit, die ganzen Pflaster wieder abzunehmen, die Wunden zu salben und dann wieder mit neuem Verband zu schützen. Auf dem Bild hier hat sie lediglich noch ein kleines Pflaster nachgebessert, das sich wieder löste. Sonst trägt sie bei solchen Arbeiten immer Gummischutzhandschuhe.






Nach knapp zwei Wochen sah das Gesicht dann wieder fast ganz hergestellt aus, und der Mann war sehr fröhlich und dankbar für die Hilfe. Für uns wird er immer im Gedächtnis bleiben als „der Mann mit der Maske“, der sehr freundlich und dankbar war und immer viel gelacht hat bei seinen Besuchen hier. Anfangs tat ihm das Lachen weh im Gesicht, und wir lachten mitleidig mit, aber am Ende war es ein ausnahmslos fröhliches und dankbares Lachen.




Gut, wenn man Hilfe findet. Und gut, wenn man helfen kann und die nötigen Salben und Pflaster hat. Danke allen, die uns dabei in den letzten Jahren so toll unterstützt haben!



Liebe Grüße,


Daniel.

Donnerstag, 12. Mai 2011

Gefährliches Ungeziefer

Vor ein paar Tagen, als Rita Aaron zum Vormittagsschläfchen in unser Bett legen will, sieht sie „zum Glück“ vorher noch einmal kurz auf die Matratze. Da liegt doch tatsächlich genau auf dem Platz, wo normalerweise Aarons Kopf ist, ein kleiner Skorpion. Zuerst denkt sie, dass er tot ist, denn manchmal fliegen tote Skorpione aus unserem Grasdach. Aber warum ist er dann im Bett und nicht oben auf dem Moskitonetz? Weil er eben nicht tot ist, sondern lebt und auf einmal davon krabbeln will. Rita bringt ihn zur Strecke, und mit ein wenig klopfendem Herzen und einem Dankgebet legt sie Aaron hin.






zwar nur eine Rumpflänge von ca. 10-15 mm, aber dafür ein extrem starkes Nervengift, das einem Erwachsenen schon für mehrere Wochen ein taubes Gefühl an und rund um die Einstichstelle beschert.


Eine Woche davor bei unserer Kollegin Marion im Haus: Beim gemütlichen Zusammensitzen mit Besuchern am Abend sehen sie aus den Augenwinkeln etwas am Boden kriechen. Beim genaueren Hinsehen entdecken sie eine kleinere Schlange, die sich schnell unter dem Esszimmerschrank versteckt. Als sie sich nach einer Weile wieder heraus traut, versuchen sie, sie zu erschlagen. Gewöhnlich nehmen wir für solche Aktionen Schrubber, Besen oder sonst ein Küchengerät, das gerade zur Hand ist. Die Schlange stellt sich auf, faucht und verkriecht sich wieder hinterm Schrank. Beim erneuten Fluchtversuch durch das Zimmer bringen die Damen sie zur Strecke.



Am nächsten Morgen helfe ich beim Identifizieren. Es ist eine „Mozambique Spitting Cobra“ – sehr gefährlich. Laut unserem Schlangenposter eine der gefährlichsten Arten hier, mit drei roten Punkten markiert (mehr gibt es nicht!). Als Cobra kann sie sich aufstellen und zur Einschüchterung den Hals breit machen, als Spuckschlange spuckt sie dem Opfer lähmendes Gift in die Augen, um es leichter greifen zu können. Spucken können die anscheinend recht treffsicher innerhalb von zwei Metern. Da wir nah an der Grenze zu Mosambik leben, ist sie auch in unserer Gegend hier heimisch. „Zum Glück“ ist nichts passiert!





Zwar war sie nur klein, d.h. noch nicht ausgewachsen, aber gefährlich ist sie dennoch! Vielen Dank für alle euren uns ständig begleitenden Gebete um Bewahrung und Schutz!



Übrigens, wusstet ihr, dass einer der vielen Namen Gottes „zum Glück“ ist?



Liebe Grüße, Daniel.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Also, ...

... sie haben mich gefragt. Und nun heißt er tatsächlich Chisomo! So wird er nun seine Eltern in Zukunft immer an ihre Zeit hier bei uns auf der Bibelschule CHISOMO erinnern und daran, dass wir alle aus Gnade leben. Das Chichewa-Wort "Chisomo" bedeutet nämlich auf Deutsch "Gnade".




Liebe Grüße aus CHISOMO und von Chisomo,

Daniel.

Montag, 2. Mai 2011

CHISOMO plus 1

„Pastor, komm schnell, eine der Studentenfrauen will gesund werden!“ So ruft mich einer der Nachtwächter vorletzte Nacht um 2.00 Uhr aus dem Schlaf. „Will gesund werden“ sagt man hier in Malawi für „die Geburt geht los!“. Es ist also soweit, und wie fast jedesmal: mitten in der Nacht. So stehe ich auf, ziehe mich an und starte das Auto, um die Frau mit ein paar anderen Studentenfrauen als Begleitung zum 3km entfernten Krankenhaus zu fahren. Den Mann nehme ich auch mit, aber natürlich nur als Fahrtbegleiter, denn er kommt wieder mit mir zurück. Eine Geburt ist nach dorfmalawischem Verständnis Frauensache, da haben Männer nichts dabei verloren.


Heute, etwas mehr als 24 Stunden nach der Geburt, konnten wir die Frau wieder abholen. Dieses Mal waren auch die zwei großen Schwestern des neugeborenen Jungen dabei.






In CHISOMO angekommen werden wir von den Studentenfrauen und Kindern fröhlich empfangen. Alle freuen sich, dass ein gesundes Kind geboren wurde.



Am Haus, in dem die Familie wohnt, angekommen, gibt es erst einmal eine Fotosession. Bisher habe ich den Kleinen auch noch nicht gesehen, er war zu gut eingepackt! Aber fürs Foto wird er entblößt.









Bevor ich mich als Fahrer wieder zurückziehe (außer dem Vater bin ich der einzige Mann bei diesem Empfang und fühle mich irgendwie komisch), bitte ich noch die Studentenfrauenklassensprecherin, ein Gebet zu sprechen. Dank und Freude kommen auch vor Gott zum Ausdruck, und die Bitte um Seinen Segen.




Schön, dass alles gut gegangen ist und wir in CHISOMO nun einen gesunden Bewohner mehr haben.



Ach so, wie er heißt, der Kleine? Das weiß man noch nicht. Das hat noch Zeit. Der Name wird sich in den nächsten Tagen schon noch finden! Wenn sie mich fragen, würde er Chisomo heißen. Das passt doch irgendwie.



Liebe Grüße, Daniel.