Nach eineinhalb Stunden war das Feld leer - und das Auto voll: 23 Säcke voll mit Maiskolben. Das werden dann schätzungsweise so um die 10 bis 12 Säcke zu je 50 kg abgemachte Maiskörner sein, also ganz grob eine halbe Tonne.
Das nächste einmalige Erlebnis: Yahayas Hochzeit am gestrigen Sonntag! Endlich war es soweit. Die Braut war endlich gefunden, nachdem er längere Zeit intensiv gesucht hatte: Grace, die Nichte der Ehefrau unseres CHISOMO-Hausmeisters Pastor Gowelo.
Schon viele Wochen ging es nun darum, das Fest zu planen und vorzubereiten. Am Vorabend machte sich Yahaya dann auf den Weg zum Heimatdorf von Grace, etwa 17 km von hier entfernt. Zuvor musste aber noch die Mitfahrmöglichkeit für die Gäste von hier geregelt und eine Anzahlung getätigt werden. Und das Festmahl (mein Geschenk) abtransportiert und vor Ort geschlachtet werden.

Zum Glück hat es mit dem LKW geklappt: ca. 60 Personen kamen so von Yahayas Dorf zur Trauung!
Um kurz vor 11:00 Uhr ging dann der Gottesdienst los, bei dem ich die Predigt für „meinen Sohn“ (als Vollwaise und bei mir Arbeitender) halten durfte. Nur: beim Gottesdienstbeginn war das Brautpaar gar nicht in der Kirche. Der Gottesdienst sollte nur ein Vorprogramm sein; dann, bei der eigentlichen Trauung würden sie kommen. Das ist wohl hier so. Somit musste ich „leider“ die traditionelle Vorgehensweise umschmeißen und den Pastor bitten, das Brautpaar in die Kirche zu holen, denn die Traupredigt hatte ich nach meinem deutschen Verständnis eben hauptsächlich für die zu Vermählenden vorbereitet. Man lernt hier halt nie aus!

Nach dem Gottesdienst gab es eine kurze Pause. Dann wurde das nun endlich festlich geschmückte Brautpaar an einem nahe gelegenen Haus von der ganzen Festgemeinde „abgeholt“ und zur Kirche geführt, wo dann im zweiten Akt die Trauung vom Regionalpastor durchgeführt wurde.
Bei der ganzen Trau- und Festzeremonie darf das Paar keine Miene verziehen. Für unser Empfinden äußerst komisch: sehen die nicht traurig oder deprimiert aus?
Nach dem traditionellen Ringtausch und dem Kerzenanzünden (als Zeichen der entzündeten Liebe) ging es dann zur Festzeremonie, dem dritten Akt. Dabei sitzt das Brautpaar unter einem Baum im Schatten und die ganze Festgesellschaft steht im Kreis drum herum. Ein DJ, der für fetzige Musik sorgt, und ein „Convener“, den man am besten mit „Festleiter“ übersetzen aber noch besser mit „Einheizer“ übertragen könnte, rufen nach und nach verschiedene Menschengruppen in den Kreis, damit sie ihre Geschenke und vor allem ihre Geldscheine in einen Korb „werfen“. Von den Hauptonkels angefangen, über wichtige Gäste wie z.B. „die Weißen“ und Verwandte beider Richtungen, Freunde der Braut und des Bräutigams bis hin zu den „gewöhnlichen“ Gästen.



Nachdem die verschiedenen Gruppen dann ihr Geschenk losgeworden waren, wurden sie zur Tafel gebeten: verteilt in den verschiedenen Häusern auf dem Gehöft der Brautfamilie, am Boden sitzend. Es gab Nsima (Maisbrei) und Reis mit Krautgemüse, Schaffleisch (kalt) und Hühnchen.
Das Essen ist hier wichtig, aber auf jeden Fall nicht so wichtig wie bei uns in Deutschland. Stundenlanges reden, sich vergnügt bei einem Glas Wein unterhalten und dergleichen gibt es gar nicht.
Nach dem Essen war das Fest aus, und wir machten uns nach vier Uhr auf den Heimweg.
Daheim angekommen, gab es noch einmal ein abschließendes Fürbittgebet und die beiden Glücklichen wurden sich selbst überlassen …
Festliche Grüße, Daniel.
Ein einmaliges Erlebnis. Yahaya, unser Hof- und Gartenangestellter ließ sich am vergangenen Sonntag zusammen mit fünf anderen Christen seiner Gemeinde taufen. Er sagte, er hätte es schon länger vorgehabt, der Hauptgrund für die plötzliche Entscheidung für dieses Datum liegt aber am kommenden Sonntag: da soll seine Hochzeit stattfinden. Und da er diese im Rahmen eines Gottesdienstes segnen und offiziell bestätigen lassen möchte (es soll eine „ganz richtige“ Hochzeit sein!), muss er vorher auch richtig Mitglied in der Kirche sein, was ohne vorherige Tauf bei der „Evangelical Baptist Church of Malawi“ eben nicht möglich ist.
Also wurde nach dem Gottesdienst eine Taufzeremonie angesetzt, bei der wir Mitarbeiter und Studenten von CHISOMO unterstützend teilnahmen, denn die Heimatgemeinde von Yahaya ist erstens nur eineinhalb Kilometer von uns entfernt und zweitens ist diese Gemeinde noch ganz klein.
Einer unserer Mitarbeiter, der Schreinerlehrer Pastor Mabvuto führte die Taufe durch, da Yahayas Gemeinde und Bezirk noch keinen eigenen ordinierten Pastor hat.

Nach der kurzen Vorbesprechung ging es dann in den Regenwasserteich, der der Kirche gegenüber liegt. Sehr praktisch. Andere Gemeinden müssen einen weiten Fußmarsch zurücklegen zum nächsten Wasser.
Eine kurze, einleitende Predigt über Sinn und Zweck der Taufe, dann ging es los.


Yahaya war der erste Täufling. Ein für uns bewegender Augenblick: mein Freund, Angestellter und nach malawischem Verständnis auch Sohn (er ist Vollwaise und arbeitet bei uns nun schon vier Jahre) bekennt sich öffentlich zu Jesus, als der bislang einzige seiner ganzen Sippe. Ein starkes Zeugnis.
Genauso ist es auch für Frau Sunday ein mutiges Bekenntnis inmitten ihrer muslimischen Verwandtschaft. Sie ist ähnlich wie Yahaya bei uns ein „Nebenprodukt“ von Margit Schwemmles Arbeit hier in CHISOMO. Margit brachte ihr das Lesen und Schreiben bei, und durch viele Gespräche, Gebete und freundschaftliche Hilfe hat sie Jesus kennen gelernt.

Ein großer Tag für eine kleine Gemeinde. Betet bitte für die beiden und auch die anderen Täuflinge, dass sie dem Widerstand ihrer Familien standhalten und Jesu Kraft und die Leitung des Heiligen Geistes erleben in ihrem Alltag.
Nächste Woche gibt es dann Bilder zur Hochzeit von Yahaya!
Liebe Grüße,
Daniel.
Heute ein Beispiel dazu.
Als wir im Sommer 2003 hier in Malawi zum ersten Mal ankamen, hatten wir zwei Handys im Gepäck, die wir aber vorerst noch nicht benutzen konnten. Es gab ca. 20 km von uns entfernt zwar schon seit geraumer Zeit einen Sendemasten, doch er wurde erst ein knappes Jahr nach unserer Ankunft hier angeschlossen und in Betrieb genommen. Nach und nach kamen dann Handys auf bei den Leuten hier.
Um es kurz zu machen: heute, sieben Jahre später, hat fast jeder unserer Studenten (12 von 14) sein eigenes Mobiltelefon und auch jede Familie um uns herum. Die Funkgeräte, die wir damals noch im Haus unseres Kollegen und im Landcruiser vorfanden, sind längst abgebaut und verstaubt. Erleichterung insofern, dass wir so gut wie gar nicht mehr angefragt werden, jemandem eine Nachricht übers Funkgerät zu übermitteln oder jemanden telefonieren zu lassen.
Schwieriger wird es aber da, wo jemand ohne Stromanschluss wohnt, weil dieser nämlich ca. vier km weit entfernt ist. Oder wenn das Handy mal runterfällt und auseinander geht. Seht euch das Handy von Frank an, unserem Freund und Haushaltshelfer:

Für unsere Studenten habe ich letzten September, bevor der neue Jahrgang kam, zwei Ladestationen gebaut. Da fast alle Ladegeräte komischerweise mit Eurostecker versehen sind, musste ich zwei Steckdosenleisten von D. mitbringen. Die Entwicklung ist also noch nicht ganz abgeschlossen. Das erinnert mich immer an Jürgen Kraft, der bei seinem Besuch hier vor einigen Jahren oft sagte: es entwickelt sich – wir sind ja schließlich in einem Entwicklungsland!

Will jemand Guthaben auf sein Handy aufladen (es gibt hier keine Verträge), dann kann er fast überall, auch im hintersten Dorf, „units“ kaufen, z.B. hier:
Liebe Grüße,
Daniel.