Montag, 28. März 2011

Hochzeit in drei Akten


Das nächste einmalige Erlebnis: Yahayas Hochzeit am gestrigen Sonntag! Endlich war es soweit. Die Braut war endlich gefunden, nachdem er längere Zeit intensiv gesucht hatte: Grace, die Nichte der Ehefrau unseres CHISOMO-Hausmeisters Pastor Gowelo.



Schon viele Wochen ging es nun darum, das Fest zu planen und vorzubereiten. Am Vorabend machte sich Yahaya dann auf den Weg zum Heimatdorf von Grace, etwa 17 km von hier entfernt. Zuvor musste aber noch die Mitfahrmöglichkeit für die Gäste von hier geregelt und eine Anzahlung getätigt werden. Und das Festmahl (mein Geschenk) abtransportiert und vor Ort geschlachtet werden.





Zum Glück hat es mit dem LKW geklappt: ca. 60 Personen kamen so von Yahayas Dorf zur Trauung!




Um kurz vor 11:00 Uhr ging dann der Gottesdienst los, bei dem ich die Predigt für „meinen Sohn“ (als Vollwaise und bei mir Arbeitender) halten durfte. Nur: beim Gottesdienstbeginn war das Brautpaar gar nicht in der Kirche. Der Gottesdienst sollte nur ein Vorprogramm sein; dann, bei der eigentlichen Trauung würden sie kommen. Das ist wohl hier so. Somit musste ich „leider“ die traditionelle Vorgehensweise umschmeißen und den Pastor bitten, das Brautpaar in die Kirche zu holen, denn die Traupredigt hatte ich nach meinem deutschen Verständnis eben hauptsächlich für die zu Vermählenden vorbereitet. Man lernt hier halt nie aus!



Nach dem Gottesdienst gab es eine kurze Pause. Dann wurde das nun endlich festlich geschmückte Brautpaar an einem nahe gelegenen Haus von der ganzen Festgemeinde „abgeholt“ und zur Kirche geführt, wo dann im zweiten Akt die Trauung vom Regionalpastor durchgeführt wurde.





Bei der ganzen Trau- und Festzeremonie darf das Paar keine Miene verziehen. Für unser Empfinden äußerst komisch: sehen die nicht traurig oder deprimiert aus?




Nach dem traditionellen Ringtausch und dem Kerzenanzünden (als Zeichen der entzündeten Liebe) ging es dann zur Festzeremonie, dem dritten Akt. Dabei sitzt das Brautpaar unter einem Baum im Schatten und die ganze Festgesellschaft steht im Kreis drum herum. Ein DJ, der für fetzige Musik sorgt, und ein „Convener“, den man am besten mit „Festleiter“ übersetzen aber noch besser mit „Einheizer“ übertragen könnte, rufen nach und nach verschiedene Menschengruppen in den Kreis, damit sie ihre Geschenke und vor allem ihre Geldscheine in einen Korb „werfen“. Von den Hauptonkels angefangen, über wichtige Gäste wie z.B. „die Weißen“ und Verwandte beider Richtungen, Freunde der Braut und des Bräutigams bis hin zu den „gewöhnlichen“ Gästen.






Nachdem die verschiedenen Gruppen dann ihr Geschenk losgeworden waren, wurden sie zur Tafel gebeten: verteilt in den verschiedenen Häusern auf dem Gehöft der Brautfamilie, am Boden sitzend. Es gab Nsima (Maisbrei) und Reis mit Krautgemüse, Schaffleisch (kalt) und Hühnchen.



Das Essen ist hier wichtig, aber auf jeden Fall nicht so wichtig wie bei uns in Deutschland. Stundenlanges reden, sich vergnügt bei einem Glas Wein unterhalten und dergleichen gibt es gar nicht.


Nach dem Essen war das Fest aus, und wir machten uns nach vier Uhr auf den Heimweg.






Daheim angekommen, gab es noch einmal ein abschließendes Fürbittgebet und die beiden Glücklichen wurden sich selbst überlassen …



Festliche Grüße, Daniel.

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